Heute möchte ich einmal über ein Thema schreiben, das aus meiner Sicht als Bewerbungscoach noch viel zu sehr vernachlässigt wird in der Praxis. Eher stürzen sich Bewerber auf die formalen Bewerbungskriterien, die ganzen möglichen Personalerfragen und recherchieren lange, was Personaler lesen und hören wollen. Kurzum: Bewerber versuchen alles richtig zu machen beim Bewerben.

So kommt es nicht selten vor, dass Klienten zu mir kommen, die schon etliche Ratgeber gelesen haben und teilweise stark verunsichert sind, weil sie in jedem Buch, auf jeder Website eine andere Info erhalten. Dabei ist der Bewerbungsprozess ziemlich einfach, wenn man einmal verstanden hat, was den Unternehmen wichtig ist. Wir suchen heutzutage vor allem Mitarbeiter, die sich schnell in neue Themenbereiche einarbeiten können und die zu uns als Unternehmen und zu unserer Unternehmenskultur passen. Dies sind die zwei Hauptkriterien. Die fachlichen Skills sind wichtig, aber eben nicht so wichtig, wie die meisten Bewerber es immer annehmen. Denn im Zeitalter des ständigen Wandels und der individuellen Stellenausschreibungen geht es um Flexibilität und Deine Passgenauigkeit als zukünftiger Mitarbeiter.

Deine Ausstrahlung ist entscheidend.

Ich weiß, dass über dieses Thema nicht so gerne gesprochen wird. Vielleicht, weil es nicht greifbar ist oder, weil wir uns bisher zu wenig Gedanken darüber gemacht haben und wir uns lieber an den „Hard Facts“ (mögliche Personalerfragen und die richtigen Antworten; die ganzen Strategien, um die Personaler zu überzeugen) orientieren.

Ich sage meinen Klienten im Bewerbungscoaching, dass wir immer für und mit Menschen arbeiten. Deine Ausstrahlung entscheidet, ob wir uns von Dir als Bewerber angezogen fühlen oder nicht. Das würde Dir kein Personaler direkt so sagen, es ist aber so.

Deine Ausstrahlung ist die Summe Deiner inneren Einstellungen

Du hast bestimmt schon vom berühmt berüchtigten ersten Eindruck gehört. Im Privaten ist es so, dass Du zum Beispiel  zu einer Feier gehst und in der Regel sofort ein Gespür dafür hast, zu wem Du Dich stellst und zu wem eher nicht. Dein Gefühl entscheidet dies innerhalb von wenigen Sekunden. Dein Gefühl, auch Intuition oder Bauchgefühl genannt, erfasst so schnell und umfassend Informationen über Dein Gegenüber und Eure Passgenauigkeit (Sympathie), wie es Dein Verstand nicht einmal im Ansatz vermag. Wir haben meist sehr schnell ein Gefühl für unser Gegenüber. Genauso ist es auch im Bewerbungsprozess. Ich behaupte, dass sogar bei der Sichtung der Bewerbungen wir als Personaler schon ein genaues Gefühl für den Bewerber, die Bewerberin haben und wir erst im Nachhinein mit gefundenen, sachlichen Argumenten unsere Entscheidung untermauern.

Die Ausstrahlung eines Menschen ist die Summe seiner inneren Einstellungen. Die Gedanken, die ein Mensch über sich selbst und über andere hat, strahlen nach außen. Das kann sich im Gesichtsausdruck, in der Körpersprache, Gestik, Stimme etc. äußern. Wenn Du zum Beispiel einen grimmig dreinschauenden Menschen vor Dir hast, kannst Du davon ausgehen, dass er gerade eher negative Gedanken in seinem Kopf hat. Wenn jemand Dir natürlich lächelnd gegenüber sitzt, wirst Du das Lächeln als positiv, Dir zugewandt wahrnehmen und Du kannst davon ausgehen, dass Dein Gegenüber positive Gedanken im Kopf hat.

Personalentscheider sehen es Bewerbern sehr schnell an, ob sie sicher oder unsicher sind und, ob sie sich den Job zutrauen oder nicht. Viele Stärken, also unsere Potentiale lassen sich bereits in der Ausstrahlung ablesen. Das vermittle ich meinen Klienten auch immer im Bewerbungscoaching, auch wenn viele sehr überrascht sind und mich fragen „Woher wissen Sie, dass ich ein analytischer Mensch bin?“. Weil ich es in der Ausstrahlung lesen kann. Und das können viele meiner Personalkollegen ebenso.

Wenn Du weißt, dass Deine Ausstrahlung mitentscheidend ist, dann kommen folglich die Fragen: Aber was mache ich denn nun? Wie komme ich denn gut an bei meinem Gegenüber?

Hierzu habe ich einen praktischen Tipp, der in der Praxis oftmals Wunder wirkt. Zunächst machst Du Dir bewusst, dass wir Tausende von Gedanken in unserem Kopf haben. Darunter sind positive, bestärkende („Ich weiß, dass ich ein toller Kandidat / eine tolle Kandidatin bin.“) und eher negative („Ich habe Angst zu versagen.“ „Hoffentlich komme ich gut an.“). Das ist normal und menschlich.

Ich ermuntere meine Klienten stets im Bewerbungscoaching sich zu überlegen, was sie ausstrahlen möchten

Dazu überlegst Du Dir am besten zwei Attribute, die die Personaler beziehungsweise Interviewer sofort in Kopf haben sollen, wenn sie Deine Bewerbung vorliegen haben beziehungsweise Dich im Vorstellungsgespräch interviewen. Daraus formulierst Du einen Satz. Der Satz könnte zum Beispiel lauten „Ich bin kompetent und sympathisch.“ Das willst Du Deinem Gegenüber transportieren. Da Du Dir diesen Satz rausgesucht hast und ihn Dir selbst mehrmals sagst, Dich dabei am besten im Spiegel anschaust, wird sich Deine Ausstrahlung dementsprechend danach richten. Du gehst quasi mit diesem Satz auf die Bühne. Er begleitet Dich durch den gesamten Bewerbungsprozess und gibt Dir Rückendeckung. Zugleich gibt er Dir Power, denn Du gibst Deine Macht nicht an Dein Gegenüber ab („Hoffentlich finden die mich gut und sehen, was in mir steckt.“ ), sondern Du gibst vor, welchen Eindruck Du vermitteln möchtest. Dann können auch mal Antworten im Interview „verhauen“ werden oder andere Dinge, die menschlich sind, passieren. Deine Grundausstrahlung wirkt und überzeugt Dein Gegenüber.

Wir arbeiten immer für und mit Menschen. Mache Dir bewusst, was Du ausstrahlen möchtest und gehe selbstbewusst in den Bewerbungsprozess.

Hier kannst Du Dir den Beitrag auch entspannt anhören:

Im Bewerbungscoaching  (in Berlin oder per Skype) helfe ich Dir, Dich selbstsicher und selbstbewusst zu bewerben und im Vorstellungsgespräch zu präsentieren. Alle Infos zum Bewerbungscoaching findest Du hier.